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<title>Sündenfall</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Sündenfall</span></h1>
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<p>Als <b>Sündenfall</b> bezeichnet die <a href="Christliche_Theologie" title="Christliche Theologie">christliche Theologie</a> die klassische Auslegung der <a href="Bibel" title="Bibel">biblischen</a> Geschichte in <a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 3&nbsp;, die davon erzählt, wie das erste Menschenpaar eine verbotene Frucht aß und infolgedessen aus dem Paradiesgarten vertrieben wurde. Die Geschichte wird teils als tatsächlich passiertes Ereignis, meist jedoch als symbolisch zu deutender <a href="Mythos" title="Mythos">Mythos</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> verstanden, welcher den Zustand dieser „gefallenen“ Welt und die Situation des Menschen darin deutet und erklärt. Demzufolge verlor der Mensch den „<a href="Urstand" title="Urstand">Urstand</a>“ durch die Sünde Adams und Evas und da jeder Mensch als Nachkomme Adams verstanden wird, hat er Teil an der <a href="Erbs%C3%BCnde" title="Erbsünde">Erbsünde</a> (lat. <i>peccatum originale originatum</i>), ist also in einen Unheilszusammenhang hineingeboren. Dem wird im christlichen Verständnis der <a href="Heilsgeschichte" title="Heilsgeschichte">Heilsgeschichte</a> Christus als „neuer Adam“ gegenübergestellt, der durch seinen Gehorsam den Ungehorsam des ersten Adam aufhebt.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Die_biblische_Geschichte">Die biblische Geschichte</h2></div>
<p>In der <a href="Sch%C3%B6pfungsgeschichte_(Jahwist)" title="Schöpfungsgeschichte (Jahwist)">Schöpfungsgeschichte des Jahwisten</a> erschafft Gott die Menschen und stellt sie in den eigens dafür geschaffenen <a href="Garten_Eden" title="Garten Eden">Garten Eden</a>. Er gebot ihm: „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom <a href="Baum_der_Erkenntnis" title="Baum der Erkenntnis">Baum der Erkenntnis</a> von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.“ (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 2,16&nbsp;). Sowohl der Mann, als auch die aus dessen Rippe gebildete Frau, waren „nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander“ (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 2,25&nbsp;). Dann trat eine Schlange mit der Frage an die Frau, ob Gott gesagt habe, sie dürften von keinem Baum des Gartens essen. Die Frau entgegnete, nur vom Baum in der Mitte des Gartens nicht essen zu dürfen, da sie sonst sterben würden. Sodann versicherte ihr die Schlange stattdessen: „Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ Die Frau aß von der verbotenen Frucht und dann auch der Mann. Sie erkannten dann ihre Nacktheit und versteckten sich vor Gott, der schließlich nach ihnen rief. Der Mann sagte, er habe die Früchte von der Frau bekommen, welche anschließend sagte, die Schlange habe sie verführt.
</p><p>Dann verfluchte Gott die Schlange, kündigte als Nächstes der Frau Schmerzen an und sprach schließlich zum Mann, er müsse von nun an den Erdboden im Schweiße seines Angesichts beackern. Er bekleidete die Menschen noch mit Fellgewändern und schickte sie dann aus dem Garten Eden weg, sodass sie nicht etwa noch vom <a href="Baum_des_Lebens" title="Baum des Lebens">Baum des Lebens</a> äßen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Biblischer_Zusammenhang">Biblischer Zusammenhang</h2></div>
<p><a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 3&nbsp; bildet die erste der vier urgeschichtlichen Verfehlungsgeschichten vom <a href="Brudermord" title="Brudermord">Brudermord</a> (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 4,1–16&nbsp;), von Beziehungen zwischen <a href="Engel" title="Engel">Engeln</a> und Menschen (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 6,1–4&nbsp;) und vom <a href="Turmbau_zu_Babel" title="Turmbau zu Babel">Turmbau zu Babel</a> (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 11,1–9&nbsp;). Sie bringen grundsätzliche biblische Aussagen über das Wesen von Mensch und Menschheit zum Ausdruck. Die erste Verfehlung ist jedoch insofern grundlegend, als mit ihr der paradiesische „<a href="Garten_Eden" title="Garten Eden">Garten Eden</a>“ als Inbegriff der Einheit mit Gott oder der Zugang zur ewigen Lebenfülle im „<a href="Baum_des_Lebens_(Bibel)" title="Baum des Lebens (Bibel)">Baum des Lebens</a>“ (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 3,22&nbsp;) verloren geht und der Mensch nun mit dem animalischen „Fellkleid“ (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 3,21&nbsp;) die Geschichte der Sterblichen zwischen Geburt und Tod beginnt.
</p><p>In <a href="Jesus_Sirach" title="Jesus Sirach"><span style="white-space:nowrap;">Sir</span></a> 25,24&nbsp; wird die „Ursünde“ von Genesis 3 als Anfang des Sündigens und als Ursache des Sterbens aller gesehen und in <a href="Buch_der_Weisheit" title="Buch der Weisheit"><span style="white-space:nowrap;">Weish</span></a> 2,24&nbsp; auch als Ursache des ewigen Todes der Sünder.
</p><p>Der Begriff „Sündenfall“ entstand nach christlichem Verständnis im spätjüdischen <a href="4._Buch_Esra" title="4. Buch Esra">4. Buch Esra</a>. Dort heißt es: „Ach, Adam, was hast du getan! Als du sündigtest, kam dein Fall nicht nur auf dich, sondern auf uns, deine Nachkommen!“ (4. Esra 7,118)
</p><p>Wesentlich für die christliche Interpretation ist die Theologie des <a href="Paulus_von_Tarsus" title="Paulus von Tarsus">Paulus</a>, wie er sie im <a href="Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer" title="Brief des Paulus an die Römer">Römerbrief</a> ausführt. Demnach leitet sich von dieser ersten Sünde der Tod ab: „Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten.“ (<a href="Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer" title="Brief des Paulus an die Römer"><span style="white-space:nowrap;">Röm</span></a> 5,12&nbsp;) Insofern ist der Sündenfall im „Ungehorsam“ des ersten Adam ursächlich für den Tod, während im „Gehorsam“ des zweiten Adam „bis zum Tod am Kreuz“ mit der <a href="Auferstehung" title="Auferstehung">Auferstehung</a> das Leben neu geschaffen wird (<a href="Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer" title="Brief des Paulus an die Römer"><span style="white-space:nowrap;">Röm</span></a> 5,12–21&nbsp;; <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Philipper" title="Brief des Paulus an die Philipper"><span style="white-space:nowrap;">Phil</span></a> 2,8&nbsp;).
</p><p>Während der neue Adam freiwillig von seiner himmlischen „Höhe“ herabsteigt und „demütig“ das „Sklavenkleid“ des menschlich-irdischen „Fleisches“ anzieht (<a href="Brief_des_Paulus_an_die_Philipper" title="Brief des Paulus an die Philipper"><span style="white-space:nowrap;">Phil</span></a> 2,7&nbsp;; <a href="Evangelium_nach_Johannes" title="Evangelium nach Johannes"><span style="white-space:nowrap;">Joh</span></a> 1,14&nbsp;; <a href="Evangelium_nach_Matth%C3%A4us" title="Evangelium nach Matthäus"><span style="white-space:nowrap;">Mt</span></a> 11,29&nbsp;), damit der „gefallene“ Mensch sein ursprüngliches „Lichtkleid“ der Herrlichkeit und Unsterblichkeit wiedererlange (vgl. <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Epheser" title="Brief des Paulus an die Epheser"><span style="white-space:nowrap;">Eph</span></a> 4,24&nbsp;; <a href="1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther" title="1. Brief des Paulus an die Korinther"><span style="white-space:nowrap;">1 Kor</span></a> 15,53f.&nbsp;; <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Kolosser" title="Brief des Paulus an die Kolosser"><span style="white-space:nowrap;">Kol</span></a> 3,10&nbsp;), fällt der alte Adam durch seinen Hochmut. Vom Sündenfall in diesem Sinn handelt dann auch das vielfach überlieferte Jesus-Wort: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (<a href="Evangelium_nach_Matth%C3%A4us" title="Evangelium nach Matthäus"><span style="white-space:nowrap;">Mt</span></a> 23,12&nbsp;; <a href="Evangelium_nach_Lukas" title="Evangelium nach Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Lk</span></a> 14,11&nbsp;; 18,14 ; vgl. 1,48.52 ).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Christliche_Auslegungsgeschichte">Christliche Auslegungsgeschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Augustinus">Augustinus</h3></div>
<p><a href="Augustinus_von_Hippo" title="Augustinus von Hippo">Augustinus von Hippo</a> entwickelte aus der Interpretation des Paulus die Lehre von der <a href="Erbs%C3%BCnde" title="Erbsünde">Erbsünde</a>. Er verband die Erbsünde mit der Sexualität: Er sah in der verbotenen Frucht die sexuelle Lust und glaubte, dass Adam im Paradies Kinder zeugen konnte, ohne sexuelle Erregung zu empfinden. Er schrieb: „Durch denselben Willensantrieb wären die fraglichen Glieder bewegt worden wie die übrigen, und ohne den Stachel brünstigen Begehrens, in voller Ruhe des Geistes und des Körpers und ohne Verletzung ihrer Unversehrtheit, hätte der Gatte seines Weibes Schoß befruchtet“.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Und weil Eva in der Erzählung die Initiative ergreift, indem sie Adam den Apfel anbietet, entwickelte Augustinus daraus eine <a href="Sexualethik" title="Sexualethik">Sexualethik</a>, die der Frau eine aktive Rolle in den sexuellen Beziehungen verbot.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Obwohl diese enge Verbindung von Sündenfall und Sexualität nie lehramtlich verbindlich rezipiert wurde, prägte sie doch das westliche Christentum nachhaltig.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Mittelalter">Mittelalter</h3></div>
<p>Bei den <a href="Kirchenvater" title="Kirchenvater">Kirchenvätern</a> und in der mittelalterlichen Mystik stehen beide Bäume für die zwei Seiten der Wirklichkeit: Himmel und Welt, das Unsichtbare und das Sichtbare (vgl. <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Kolosser" title="Brief des Paulus an die Kolosser"><span style="white-space:nowrap;">Kol</span></a> 1,15–16&nbsp;), das „Männliche“ und das „Weibliche“, auch Gnade und sakramentale „Materie“ sowie geistig-geistliche und „buchstäbliche“ Exegese.
</p><p>So erklärt <a href="Bonaventura" title="Bonaventura">Bonaventura</a> im <i><a href="Collationes_in_Hexaemeron" title="Collationes in Hexaemeron">Hexaemeron</a></i> (XIX,8) vom Wandlungswunder auf der <a href="Hochzeit_zu_Kana" title="Hochzeit zu Kana">Hochzeit zu Kana</a> (<a href="Evangelium_nach_Johannes" title="Evangelium nach Johannes"><span style="white-space:nowrap;">Joh</span></a> 2,1–11&nbsp;) her: „Der Buchstabe [der Schrift] allein ist lediglich Wasser, das erst im geistlichen Verständnis in Wein verwandelt wird; er ist Stein, der erst zu Brot werden muss“; und: er ist nur der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse; „erst im geistlichen Verständnis wird die Schrift zum Baum des Lebens“. Entscheidend ist, das buchstäbliche Verständnis der Schrift mit dem inneren Verständnis im Heiligen Geist zu verbinden, wodurch die Bibel erst lebendiges <a href="Wort_Gottes" title="Wort Gottes">Wort Gottes</a> (= Lebensbaum) ist oder „gleichsam eine Zither“: „die tiefe Saite [= <a href="Literalsinn" title="Literalsinn">Literalsinn</a>] bewirkt erst mit den anderen [drei geistigen Schriftsinnen] zusammen den Wohlklang.“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Was für die Bibel als „Schöpfung im Wort“ (<a href="Friedrich_Weinreb" title="Friedrich Weinreb">Friedrich Weinreb</a>) gilt, das gilt auch für die Schöpfung durch das Wort (vgl. <a href="Evangelium_nach_Johannes" title="Evangelium nach Johannes"><span style="white-space:nowrap;">Joh</span></a> 1,3–4&nbsp;; <a href="Brief_an_die_Hebr%C3%A4er" title="Brief an die Hebräer"><span style="white-space:nowrap;">Hebr</span></a> 1,3&nbsp;; 11,3 ): Nur wenn das Sichtbare und das Unsichtbare im „hochzeitlichen“ Bund eins sind, lebt der Mensch in der vom göttlichen Wort geschaffenen paradiesischen Wirklichkeit oder im „Himmel“ (vgl. <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Kolosser" title="Brief des Paulus an die Kolosser"><span style="white-space:nowrap;">Kol</span></a> 1,13–20&nbsp;; 3,1–2 ; <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Epheser" title="Brief des Paulus an die Epheser"><span style="white-space:nowrap;">Eph</span></a> 2,6&nbsp;). Der Bruch dieses „hochzeitlichen“ Bundes zwischen dem „Männlichen“ und dem „Weiblichen“ oder des „Ein-Fleisch-seins“ (vgl. <a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 2,24&nbsp;; <a href="Brief_des_Paulus_an_die_Epheser" title="Brief des Paulus an die Epheser"><span style="white-space:nowrap;">Eph</span></a> 5,30–31&nbsp;) durch Mann und Frau führt hingegen zum Verlust des Paradieses oder der Fülle des Lebens. In der Feier der sieben sakramentalen Heilszeichen der katholischen und orthodoxen Kirche, insbesondere in Taufe und Eucharistie sowie in der Ehe als „Ursakrament“ (Johannes Paul II.), sah die Tradition die Heilsmittel, um ins verlorene Paradies zurückzukehren (vgl. schon <a href="Evangelium_nach_Lukas" title="Evangelium nach Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Lk</span></a> 23,43&nbsp;). Hinzu kommt die geistig-geistliche Disziplin: „Das ist der Sinn aller Askese: die paradiesische Ordnung in Christus wieder zu erneuern.“<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Reformation_und_evangelische_Auslegungsgeschichte">Reformation und evangelische Auslegungsgeschichte</h3></div>
<p>Für <a href="Martin_Luther" title="Martin Luther">Martin Luther</a> ist der Sündenfall ein radikaler Bruch zwischen Gott und Mensch. Er sieht in der Erbsünde als völlige Verderbnis, durch die der Mensch ist nicht nur „verletzt“, sondern ganz verdorben („corruptio totalis“) sei. Nach dem Sündenfall könne der Mensch aus eigener Kraft das Gute nicht mehr wollen. Luther sieht die Rechtfertigung „allein aus Gnade“ (sola gratia) als Antwort auf den Sündenfall: Nur durch den Glauben an Christus (sola fide) und durch Gottes Wort wird der Mensch gerecht gesprochen. Die Taufe hat zentrale Bedeutung, weil sie als Zeichen für die Verheißung Gottes gesehen wird, aber sie „tilgt“ nicht die Erbsünde, sondern wirkt nur im Zusammenhang mit dem Glauben.
</p><p>In der gegenwärtigen protestantischen Theologie steht der Sündenfall symbolisch für die Grunderfahrung menschlicher Entfremdung von Gott. Theologen wie Paul Tillich oder Rudolf Bultmann sprechen von „existentieller Schuld“ oder „Entfremdung des Menschen von seinem wahren Sein“.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Moderne_christliche_Exegese">Moderne christliche Exegese</h3></div>
<p>In der <a href="Biblische_Exegese" title="Biblische Exegese">Exegese</a> wird der Begriff des Sündenfalls heute eher vermieden. Nach <a href="Claus_Westermann" title="Claus Westermann">Claus Westermann</a> bringt die Bezeichnung ‚Sündenfall‘ „etwas Passives, Schicksalhaftes zum Ausdruck“, während der Text der Erzählung in <a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 2–3&nbsp; nichts dergleichen aufweist und auch nicht von einem Fall spricht; „deshalb sollte man von dieser vom Text her ungenauen und irreführenden Bezeichnung abgehen.“<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Für den <a href="Jesuit" class="mw-redirect" title="Jesuit">jesuitischen</a> Pater Christoph Wrembek und den Literaturwissenschaftler <a href="Arata_Takeda" title="Arata Takeda">Arata Takeda</a> mündet der Text der Erzählung ungeachtet von Gottes Ankündigung, am Tag der Übertretung des Verbots sterben zu müssen (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 2,16&nbsp;), in eine „rettende Vertreibung“<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> der Menschen, eine „Vertreibung in ein erneuertes Leben“<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> im Zeichen von Gottes Gnade.
</p><p>Nach dem exegetischen Kommentar von Andreas Schüle ist der Sinn der beiden Bäume in der einen Mitte des Gartens, der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, „ein letztlich nicht lösbares Rätsel.“<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Katholische_Dogmatik">Katholische Dogmatik</h3></div>
<p>Die katholische Lehre beschreibt den Urzustand (auch „Gnadenstand“ oder „Urstand“), wie der Mensch von Gott geschaffen wurde: in vollkommener Harmonie mit Gott, mit sich selbst, mit den anderen Menschen und mit der Schöpfung. Er war unsterblich, frei von Leid und Tod. Dabei besaß er die Gnade („Urstandsgnade“) und die ursprüngliche Gerechtigkeit als Geschenk Gottes (nicht aus eigener Kraft).
</p><p>Der Sündenfall beschreibt den ersten Akt des Ungehorsams gegenüber Gott durch Adam und Eva, die sich durch den Einfluss des Teufels (der Versuchung) von Gott abgewendet haben. Der Mensch wollte „sein wie Gott“ ohne Gott. Dieser Akt wird meist als Ungehorsam oder Hochmut akzentuiert. Dadurch wurde die ursprüngliche Gerechtigkeit verloren und die Sünde kam in die Welt. Die Sünde Adams ist eine Tat des Ungehorsams, die aber universelle Folgen hat.
</p><p>Die Erbsünde ist nicht persönliche Schuld, sondern ein Zustand, in den jeder Mensch (außer Maria) bei der Geburt hineingeboren wird. Er drückt sich im Verlust der heiligmachenden Gnade, der gefallenen menschlichen Natur, der Neigung zur Sünde (<a href="Konkupiszenz" title="Konkupiszenz">Konkupiszenz</a>), der Trennung von Gott, Leid, Tod und innerer Zerrissenheit aus. „Die Übertragung der Erbsünde ist ein Mysterium, das wir nicht ganz verstehen können“, heißt es im <a href="Katechismus_der_katholischen_Kirche" title="Katechismus der katholischen Kirche">Katechismus der katholischen Kirche</a> (KKK 404).
</p><p>In dem als <a href="Protevangelium_(Weissagung)" title="Protevangelium (Weissagung)">Protoevangelium</a> bezeichneten Vers „Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.“ (<a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 3,15&nbsp;) wird ein Hinweis auf den künftigen Retter Jesus Christus gesehen.
</p><p>Diese Erlösung wird dem Gläubigen insbesondere durch das Sakrament der <a href="Taufe" title="Taufe">Taufe</a> zuteil. Die Taufe vergibt die Erbsünde (und persönliche Sünden, wenn vorhanden), schenkt neues Leben in Christus und gibt die heiligmachende Gnade zurück, aber die Neigung zur Sünde (Konkupiszenz) bleibt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Die_Paradiesgeschichte_und_das_Hohelied_der_Liebe">Die Paradiesgeschichte und das Hohelied der Liebe</h3></div>
<p>Kardinal <a href="Jean_Dani%C3%A9lou" title="Jean Daniélou">Jean Daniélou</a> schreibt zur Bedeutung des alttestamentlichen <a href="Hohes_Lied" class="mw-redirect" title="Hohes Lied">Hohelieds der Liebe</a> für die Tauf- und Eucharistiekatechesen der Kirchenväter: „Die Anklänge an das Hohelied [in den Katechesen der Einweihungssakramente] sind unverkennbar: ‚Die Blumen erscheinen‘ (2,12 ), ‚das Öl ist ausgegossen‘ (1,2 ), ‚der König bringt mich in seine Gemächer‘ (1,4 ). Die <a href="Katechumenat" title="Katechumenat">Katechumenen</a> stehen an der Schwelle des königlichen Gartens, des Paradieses, in dem die Hochzeit stattfinden wird. Schon weht sie Paradiesesluft an.&nbsp;[…] Im eucharistischen Einswerden vollendet sich die <a href="Agape" title="Agape">Agape</a>. Der gleiche Gedanke kehrt bei <a href="Theodoret" title="Theodoret">Theodoret</a> an anderer Stelle wieder; er bezieht den Ausdruck ‚Hochzeitstag‘ [3,11 ] auf die Eucharistie und schreibt: ‚Wenn wir den Leib des Bräutigams essen und sein Blut trinken, gehen wir eine hochzeitliche Verbindung (κοινωνία) mit ihm ein.‘ Das Hohelied gilt also in der gesamten katechetischen Tradition als Vorausdarstellung der christlichen Initiation.“<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Hohelied ist achtmal vom „(Lust-)Garten“ bzw. „Nussgarten“ die Rede (<a href="Hoheslied" title="Hoheslied"><span style="white-space:nowrap;">Hld</span></a> 4,12–16&nbsp;; 5,1 ; 6,2.11 ). Die Nuss ist in der jüdischen Mystik Symbol für die Doppeltheit der Schrift: Die äußere Schale steht für den buchstäblichen Schriftsinn und die innere Frucht für den geistigen Sinn, analog zu Seele und Leib des Menschen. Das Hohelied gilt ihr als positives Gegenstück zur Paradiesgeschichte und als „äußerste Verdichtung, Kern des Kerns“ der ersten Schöpfungsgeschichte, als Melodie der Schöpfung: „Das Verlorengehen der Königin <a href="Schulamith" class="mw-redirect" title="Schulamith">Schulamith</a> muss wie das Verlorengehen der Schöpfung angesehen werden. Die ganze Schöpfung ist [durch den Sündenfall] in der Verbannung verlorengegangen.“ Wenn aber „das Wunder ‚Wort‘“ durchbricht, gilt: „Der König findet die Königin wieder, <a href="Salomo" title="Salomo">Salomo</a> findet Schulamith, die Verbindung [des Bundes] kommt zustande, Gott findet die Schöpfung wieder. Und das ist die eigentliche Erschaffung des Menschen“.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Philosophische_Interpretationen">Philosophische Interpretationen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nietzsche">Nietzsche</h3></div>
<p><a href="Friedrich_Nietzsche" title="Friedrich Nietzsche">Friedrich Nietzsche</a> gab eine psychohistorische Interpretation des Sündenfalls. In seinem 1874 erschienenem Werk „<a href="Vom_Nutzen_und_Nachteil_der_Historie_f%C3%BCr_das_Leben" title="Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben">Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben</a>“ wird der Mensch in einem Gleichnis dem Tier gegenübergestellt. Nietzsche erinnert hier scheinbar beiläufig an die Vertreibung aus dem Paradies, wenn er schreibt: <i>„Den Menschen ergreift es, als ob er eines verlorenen Paradieses gedächte, die weidende Herde oder das Kind zu sehen, das noch nichts vergangenes zu verleugnen hat und zwischen den Zäunen der Vergangenheit und der Zukunft in überseliger Blindheit spielt.“</i><sup id="cite_ref-test_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-test-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
In seiner Wortwahl stellt Nietzsche das historische Wesen des Menschen, also den Zeitbezug seines Lebensvollzugs, implizit in einen Kontext zur Vertreibung aus dem Paradies. Diesen Wesenszug des Menschen vorausgesetzt, kann das Essen vom Baum der Erkenntnis als Bild für die speziell menschlich erworbene Fähigkeit zur Erkenntnis der Zeitlichkeit und damit der Endlichkeit verstanden werden.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im Gleichnis vom Sündenfall hatte die Schlange dem Menschen vorhergesagt, dass er nicht sterben werde, aber Gut und Böse voneinander unterscheiden könne, wenn er von diesem Baum esse. Entgegen der Ankündigung Gottes jedoch und entsprechend der Ankündigung der Schlange stirbt der Mensch auch nicht nach der Speise, sondern beginnt zu erkennen. Die Ankündigung war jedoch nicht, dass er unmittelbar nach dem Verzehr stirbt. Um aber zu jener Erkenntnis zu gelangen, musste er Ursache und Wirkung, also die Zeitlichkeit (und damit Endlichkeit) allen Lebens sehen können. Die Scham – symbolisiert im Verstecken vor Gott – setzt ein, indem der Mensch aus seinem bisher rein gegenwärtigen Zustand sich der Folgen eigenen – auch seines vorherigen – Handelns bewusst wird. Und auch die Angst des Menschen – ebenfalls verdichtet im Verstecken vor der göttlichen Macht – beginnt im Bewusstsein der eigenen Zeitlichkeit: Bis zur Speise vom Baum der Erkenntnis nämlich hat er nicht von der Sicherheit und Unausweichlichkeit des Todes gewusst. Nun aber ist er das einzige Wesen, das aus dem paradiesischen Zustand der Reduktion auf ein gegenwärtiges Leben gerissen vom sicheren Sterben alles Lebendigen weiß – und also auch dem eigenen Tod. So sind die Menschen auch die einzigen Lebewesen, die aus dem Paradies vertrieben worden sind. Er lebt in „Gottesfurcht“. Die Fähigkeit zur Erkenntnis aber kann der Mensch nicht wieder abgeben, sie vererbt sich von Generation zu Generation weiter: Er ist verurteilt zur Erkenntnis, zum Gewahrwerden dessen, was er tut – und daher in seinen menschlichen Beschränkungen auch zum „Sündigen“. Wenngleich dies im Begriff der „<a href="Erbs%C3%BCnde" title="Erbsünde">Erbsünde</a>“ eine theologisch intendierte Überhöhung erfährt, so erlebt der Mensch hierin wie in seiner begrenzten Macht doch die unbedingten Unterschiede zu dem, was das abrahamitische Gottesbild ausmacht. Jedes Aufbegehren gegen seine Begrenzung, indem er etwa sein Bemühen um die Erkenntnis der weltlichen Zusammenhänge weiter verstärkt und seine Eigenmächtigkeit erhöht, scheint vor dem Hintergrund des „Sündenfalls“ indes nicht die Erlösung von seiner Last, sondern sein fortschreitendes Verderben zu sein.
In dieser Interpretation wird die biblische Geschichte zum Gleichnis über das Wesen des Menschen, der in die gottähnliche Fähigkeit zur Erkenntnis verliebt an dieser wieder und wieder sein Glück versucht und doch auch scheitert. Wenn der Mensch so in seinem Wesen als „sündig“, nämlich irrend verstanden werden kann, kommt diese Deutung dem Verständnis in den reformierten Kirchen dahingehend nahe, dass diese den Begriff der <a href="S%C3%BCnde" title="Sünde">Sünde</a> weniger auf die einzelne Fehlhandlung als auf das Wesen des Menschen beziehen. Zwar weichen die Deutungen des Sündenfalls in den verschiedenen christlichen Traditionen teilweise sehr von dieser Interpretation (und voneinander) ab. Da das beschriebene Verständnis des Sündenfalls aber auch verdeutlichen kann, dass im menschlichen Selbstbild seine unüberwindbare Trennung und Entfernung zu Gott deutlich wird, steht diese Interpretation trotz ihrer eher weltlichen Intention doch wiederum einem christlichen Grundverständnis des Gleichnisses nah. Gerade in der Frage der Trennung oder Entfernung zu Gott allerdings wird die Problematik des <a href="Gott" title="Gott">Gottesbegriffes</a> deutlich, die sich in den sehr verschiedenen Auffassungen der <a href="Abrahamitische_Religionen" title="Abrahamitische Religionen">abrahamitischen Religionen</a> und Konfessionen versinnbildlicht. Das Gleichnis vom Sündenfall stellt in dieser Deutung auch für den <a href="Agnostizismus" title="Agnostizismus">agnostischen</a> Leser eine zentrale Bibelstelle dar, wenn darin ein Symbol für die Unmöglichkeit einer umfassenderen menschlichen <a href="Erkenntnis" title="Erkenntnis">Erkenntnis</a> Gottes ebenso deutlich wird wie die Sehnsucht nach seiner Existenz.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Psychologische_Deutungen">Psychologische Deutungen</h2></div>
<p>Auch die <a href="Psychologie" title="Psychologie">Psychologie</a> hat diese Bibelstellen untersucht und eigene Deutungen gefunden, etwa im Zusammenhang mit dem tiefenpsychologischen Konzept des <a href="Archetyp_(Psychologie)" title="Archetyp (Psychologie)">Archetyps vom Baum</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rezeption_in_der_Kunst">Rezeption in der Kunst</h2></div>
<p>Der „Sündenfall“ ist das bedeutendste Thema des Adam-Eva-Zyklus in der darstellenden Kunst. Sie bietet reiches Symbolpotential (Nacktheit, Schuld, Versuchung, Rebellion, Erkenntnis, Vertreibung, Geschlechterrollen) und ist deshalb über Jahrhunderte hinweg in verschiedensten Stilen interpretiert worden.
</p><p>Zu den bekanntesten Darstellungen gehören die „Vertreibung aus dem Paradies“ (1425) von <a href="Masaccio" title="Masaccio">Masaccio</a> aus der Frührenaissance und <a href="Michelangelo" title="Michelangelo">Michelangelos</a> Fresko in der Sixtinischen Kapelle.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Jüdische_Auslegung"><span id="J.C3.BCdische_Auslegung"></span>Jüdische Auslegung</h2></div>
<p>Die jüdische Auslegung von Genesis 3 unterscheidet sich deutlich von der christlichen, denn ihr sind die Konzepte von Erbsünde und Sündenfall fremd. Grundsätzlich betont werden Freiheit und Verantwortung des Menschen, zwischen Gut und Böse zu wählen.
</p><p>Manche rabbinischen Auslegungen sehen den „Sündenfall“ als eine Art notwendige Entwicklung oder Reifungsschritt. Vor dem Essen vom Baum lebten die Menschen wie Kinder – unschuldig, aber auch ohne Verantwortung; durch das Essen vom Baum der Erkenntnis werden sie erwachsen, d.&nbsp;h. fähig zu moralischem Bewusstsein und Entscheidung.
</p><p>Die Schlange wird oft als Symbol für den <a href="Yetzer_hara" title="Yetzer hara">Yetzer hara</a> (den „schlechten Trieb“) gedeutet – ein innerer Antrieb, der zu egoistischen oder fehlerhaften Entscheidungen führen kann. Aber auch der Yetzer Hara ist nicht per se böse – er gehört zur menschlichen Natur und wird im Judentum als notwendig gesehen (z. B. für Selbsterhaltung, Fortpflanzung, Ehrgeiz etc.), solange er kontrolliert wird. Die „Vertreibung“ aus dem Garten Eden wird nicht unbedingt als „Strafe“, sondern eher als Konsequenz und Beginn des menschlichen Lebens in der realen Welt gesehen. Es ist der Übergang vom geschützten Zustand zur Lebenswirklichkeit mit Arbeit, Verantwortung, Schmerz und Tod – also zum „erwachsenen“ Menschsein. Zugleich bedarf er der <a href="Teschuwa" class="mw-redirect" title="Teschuwa">Teschuwa</a> („Umkehr“), die Teil des religiösen und rituellen Lebens im Judentum ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Evolutionsbiologische_Interpretation">Evolutionsbiologische Interpretation</h2></div>
<p>Der <a href="Orang-Utans" title="Orang-Utans">Orang-Utan</a>-Forscher <a href="Carel_van_Schaik" title="Carel van Schaik">Carel van Schaik</a> und der Historiker Kai Michel deuten 2016 die Bibel als Tagebuch der <a href="Evolutionsbiologie" title="Evolutionsbiologie">evolutionsbiologischen</a> <a href="Menschheit" class="mw-redirect" title="Menschheit">Menschheit</a>sentwicklung.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dabei messen sie der <a href="Neolithische_Revolution" title="Neolithische Revolution">neolithischen Revolution</a> eine grundlegende Bedeutung zu: Dieser Übergang von nomadischen <a href="J%C3%A4ger_und_Sammler" title="Jäger und Sammler">Jäger- und Sammlergruppen</a> zur <a href="Sesshaftigkeit" title="Sesshaftigkeit">Sesshaftigkeit</a>, verbunden mit den Anfängen der Landwirtschaft und Viehhaltung, brachte das <a href="Eigentum" title="Eigentum">Eigentumsprinzip</a> hervor (vergleiche <a href="Eigentumstheorien" title="Eigentumstheorien">Eigentumstheorien</a>). Van Schaik und Michel beschreiben den Sündenfall als erstes Eigentums<a href="Delikt" class="mw-disambig" title="Delikt">delikt</a>: „Gott hatte im Paradies nur ein Gebot erlassen: ‚Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen.‘ Es ist doch bezeichnend, dass gerade ein Vergehen am Eigentum als Ursünde präsentiert wird. Bei den Jägern und Sammlern gehörte ein Baum dem, der von ihm isst. Eigentum ist eine Folge der Sesshaftigkeit.“<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Gemäß dieser Bibelinterpretation bestand der eigentliche Sündenfall im Sesshaftwerden der Menschen. Weil es sich dabei aber um einen evolutionsbiologischen Entwicklungsschritt handelte, würden „alle Deutungen, welche die Moral ins Spiel bringen, hinfällig“.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Klaus W. Hälbig: <i>Der Baum des Lebens; Kreuz und Thora in mystischer Deutung.</i> Würzburg 2011, ISBN 978-3-429-03395-8.</li>
<li><a href="Willibald_Sandler" title="Willibald Sandler">Willibald Sandler</a>: <i>Der verbotene Baum des Paradieses. Was es mit dem Sündenfall auf sich hat.</i> Kevelaer 2009, ISBN 978-3-8367-0689-6.</li>
<li>Friedrich Weinreb: <i>Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung.</i> Zürich, 2002; bes. S. 331–401 (Die Erzählung von den zwei Bäumen), ISBN 3-88411-028-4.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Temptation_of_Adam_and_Eve?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Sündenfall</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/S%C3%BCndenfall" class="extiw external" title="wikt:Sündenfall">Wiktionary: Sündenfall</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://12koerbe.de/arche/genesis3.htm">Originaltext mit Wort-für-Wort-Übersetzung</a></li>
<li>Bernd Willmes:&nbsp;<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/31958"><span style="font-style:italic;">Sündenfall.</span></a> In: <a href="Michaela_Bauks" title="Michaela Bauks">Michaela Bauks</a>, <a href="Michael_Pietsch_(Theologe)" title="Michael Pietsch (Theologe)">Michael Pietsch</a>, <a href="Stefan_Alkier" title="Stefan Alkier">Stefan Alkier</a> (Hrsg.): <i><a href="Das_wissenschaftliche_Bibellexikon_im_Internet" title="Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet">Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet</a></i> (WiBiLex), Stuttgart 2006&nbsp;ff., abgerufen am 2.&nbsp;Oktober 2023.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Augustinus. <a href="De_civitate_Dei" title="De civitate Dei">De civitate Dei</a> XIV,26.</span>
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</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4183979-1">4183979-1</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/sh85046970">sh85046970</a></span> </div>
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